Ja, ein Föhn in der Badewanne kann tödlich sein – und das ist kein reines Drehbuch-Klischee. Laut VDE passieren rund 11 Prozent aller tödlichen Stromunfälle in Deutschland in der Badewanne. Der wirksamste Schutz sitzt aber nicht im Gerät, sondern im Sicherungskasten: der FI-Schalter.
Die Szene kennt jeder aus dem Krimi: Jemand liegt entspannt in der Wanne, ein eingeschalteter Föhn fliegt ins Wasser – und das war es. Ich erkläre dir hier, was bei so einem Unfall physikalisch wirklich passiert, warum die normale Sicherung dabei nicht hilft, wie du dein Bad nachrüsten lässt und was du tun musst, wenn doch einmal ein Gerät ins Wasser fällt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ja, tödlich möglich: Rund 11 % der tödlichen Stromunfälle in Deutschland passieren in der Badewanne (VDE).
- Kein Kurzschluss: Der Strom fließt über Wasser und Körper zur geerdeten Wanne ab.
- Wenig reicht: Schon rund 50 Milliampere über das Herz können Kammerflimmern auslösen – bei 230 Volt schnell erreicht.
- Nur der FI schützt: Er löst ab 30 mA Differenzstrom aus, oft in unter 40 Millisekunden.
- Pflicht: FI in Neubaubädern seit 1984, für alle Steckdosen-Stromkreise im Neubau seit 2009.
- Notfall: Gerät ins Wasser gefallen? Erst Strom abschalten, dann herausnehmen – niemals ins Wasser greifen.
Wie gefährlich ist ein Föhn in der Badewanne wirklich?
Im Krimi hat es wohl jeder schon einmal gesehen: Da liegt jemand in der Badewanne, und ein anderer wirft einen eingeschalteten Föhn in die Wanne. Es gibt einen Stromschlag, und der Badende ist tot. Leider ist das nicht nur eine Fantasie der Drehbuchschreiber. Ganze elf Prozent der tödlichen Stromunfälle, die sich in Deutschland ereignen, finden in der Badewanne statt. So ermittelt es die Statistik des VDE. Wer in der Wanne liegt, ist über das Wasser bestens geerdet – und genau das macht die Sache so gefährlich.

Die Physik dahinter: Warum schon wenig Strom tödlich ist
Aus der Steckdose kommen in Deutschland 230 Volt. Das klingt harmlos, ist es aber nicht: Entscheidend für die Gefahr ist nicht die Spannung allein, sondern der Strom, der durch den Körper fließt. Und der wird gefährlich früher, als die meisten denken.
Schon ein Strom von etwa 50 Milliampere, der über das Herz fließt, kann Herzkammerflimmern und damit einen Herzstillstand auslösen. Zum Vergleich: Ein Föhn zieht im Betrieb mehrere Ampere – also ein Vielfaches davon. Liegst du nass in der Wanne, ist dein Körperwiderstand niedrig und du bist über das Wasser optimal mit der Erde verbunden. Der Strom nimmt dann den Weg vom Gerät durchs Wasser, durch deinen Körper und über die geerdete Wanne ab. Genau deshalb ist der FI-Schalter so ausgelegt, dass er bereits bei 30 Milliampere auslöst – noch unterhalb der lebensgefährlichen Schwelle.
Warum der Kurzschluss nicht der Auslöser ist
Anders als viele Menschen vermuten, handelt es sich bei einem Unfall mit dem Föhn in der Badewanne um keinen Kurzschluss. Theoretisch kann der Föhn nämlich auch unter Wasser noch weiterlaufen. Der Hintergrund für den Stromunfall liegt darin, dass über das Wasser und die geerdete Badewanne der Strom abfließt und dann den tödlichen Weg durch den Badenden nimmt.
Das ist auch der Grund dafür, dass in einem solchen Fall die Sicherung nicht herausspringt. Klassische Sicherungen führen erst bei einem Kurzschluss zu einer Abschaltung des Stroms. Das ist ausreichend, um einen Kabelbrand zu vermeiden – für den Schutz eines Menschen in der Wanne reicht es nicht. Den Herstellern von Föhnen sind hier die Hände gebunden: Die einzige wirklich wirksame Möglichkeit sitzt nicht im Gerät, sondern in der Hausinstallation.
Der FI-Schalter – der entscheidende Schutz
Der FI-Schalter wird auch als Fehlerstrom-Schutzschalter oder als RCD (Residual Current Device) bezeichnet. Seine Aufgabe ist es, den Stromverlust über die Erde zu erkennen und die Stromzufuhr blitzschnell zu unterbrechen. Bei einem funktionstüchtigen Gerät sind die Ströme in Hin- und Rückleiter immer gleich stark. Entsteht ein Fehler wie oben beschrieben, entwickelt sich eine Differenz zwischen zu- und abfließendem Strom – und der FI-Schalter trennt den Strom komplett. Es genügen bereits 30 Milliampere Differenz, um das Abschalten zu bewirken.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Andere Bezeichnungen | Fehlerstrom-Schutzschalter, RCD (Residual Current Device) |
| Auslösung | ab 30 Milliampere Differenzstrom |
| Reaktionszeit | bei einigen Modellen unter 40 Millisekunden |
| Pflicht in Neubaubädern | seit 1984 |
| Pflicht für alle Steckdosen-Stromkreise im Neubau | seit Anfang 2009 |
| Aufwand für die Nachrüstung | etwa eine Stunde am Stromkasten |

Gut zu wissen
In Neubaubädern ist der FI-Schutzschalter seit 1984 Pflicht. Seit Anfang 2009 muss im Neubau darüber hinaus die Überwachung aller Steckdosen-Stromkreise mittels FI-Schalter erfolgen. Wohnst du in einem älteren Gebäude, lohnt sich der Blick in den Sicherungskasten also besonders.
FI-Schalter nachrüsten: weniger Aufwand als gedacht
Der Aufwand für die Sicherheit vor dem Stromschlag durch den Haartrockner ist gering. Es müssen keine Wände aufgeschlagen und keine neuen Leitungen verlegt werden. Der autorisierte Elektriker muss nur wenige Handgriffe am Stromkasten erledigen – mit einem Zeitaufwand von etwa einer Stunde ist die Sicherheit gewährleistet.
- Im Sicherungskasten prüfen lassen, ob bereits ein FI-Schalter vorhanden ist.
- Einen autorisierten Elektriker mit der Nachrüstung beauftragen.
- Der Einbau erfolgt direkt am Stromkasten – in rund einer Stunde und ohne Stemmarbeiten.

Wichtiger Hinweis
Arbeite niemals selbst am Stromkasten. Der Einbau eines FI-Schalters gehört ausschließlich in die Hände eines autorisierten Elektrikers. Es geht hier um genau die Installation, die im Ernstfall dein Leben retten soll – das ist kein Heimwerkerprojekt.
Gerät ins Badewasser gefallen: Was du sofort tun musst
Fällt ein eingeschaltetes Elektrogerät ins Badewasser, zählt jede Sekunde – aber der erste Impuls, es schnell herauszufischen, ist der gefährlichste. Halte dich an diese Reihenfolge:
- Nicht ins Wasser greifen. Solange Strom anliegt, ist jede Berührung des Wassers lebensgefährlich.
- Strom abschalten. Zieh den Stecker oder – noch sicherer – schalte die Sicherung bzw. den FI-Schalter im Sicherungskasten aus.
- Erst dann handeln. Ist der Strom sicher weg, kannst du das Gerät aus dem Wasser nehmen.
- Notruf 112. Bei einer bewusstlosen Person oder Verdacht auf Stromschlag sofort den Notruf wählen und mit Erster Hilfe beginnen.

Strom oder Ertrinken? Die Zahlen zur Badewanne
So real die Stromgefahr ist – die weitaus meisten Todesfälle in der Badewanne gehen gar nicht auf Strom zurück, sondern auf Ertrinken, etwa durch einen Kreislaufkollaps oder Einschlafen im heißen Wasser. Die DLRG zählt in Deutschland jedes Jahr mehrere Hundert Ertrinkungstote, die meisten davon allerdings in Seen und Flüssen; auf die Badewanne entfällt nur ein kleiner Teil.
Tödliche Stromunfälle insgesamt sind dagegen selten und stark rückläufig: von über 250 Fällen jährlich in den 1970er-Jahren auf heute nur noch rund 20 bis 25 pro Jahr. Der FI-Schalter hat daran großen Anteil. Beides zeigt: Sicherheit in der Wanne heißt zweierlei – ein FI-Schalter gegen den Strom und Vorsicht gegen das Ertrinken. Mehr dazu, ob man in der Badewanne ertrinken kann, liest du im verlinkten Beitrag. Wenn dich Erdung und Strom im Bad genauer interessieren, schau dir auch an, wo man die Badewanne erdet, und ob man bei Gewitter baden darf.
Wie so ein Föhn-im-Wasser-Szenario im Experiment aussieht, zeigt dieses Video:
5 Regeln für Sicherheit in der Badewanne
- Abstand halten: Föhn, Rasierer, Ladegeräte & Co. gehören nicht in Reichweite der gefüllten Wanne.
- Handy aus der Wanne: Lade dein Smartphone niemals am Netzkabel, während du badest.
- FI nachrüsten: Lass einen FI-/RCD-Schalter einbauen, wenn dein Bad noch keinen hat.
- Geräte prüfen: Nutze im Bad nur einwandfreie Geräte mit intaktem Kabel und Gehäuse.
- Im Notfall richtig reagieren: Fällt doch etwas ins Wasser – erst Strom abschalten, dann handeln.
Mein Fazit
Ja, ein Föhn in der Badewanne kann tödlich sein – und die Zahlen des VDE zeigen, dass das kein reines Filmklischee ist. Der Grund dafür ist aber nicht der Kurzschluss, sondern der Strom, der über das Wasser und deinen Körper abfließt. Genau deshalb hilft die normale Sicherung nicht.
Was hilft, ist der FI-Schalter. Er reagiert schon bei 30 Milliampere Differenz und trennt den Strom in Sekundenbruchteilen. Wenn du in einem älteren Haus wohnst, ist die Nachrüstung mit rund einer Stunde Arbeit eine der günstigsten Sicherheitsmaßnahmen, die du im Bad überhaupt treffen kannst.
Häufige Fragen
Ist ein Föhn in der Badewanne wirklich tödlich?
Ja, ein Föhn in der Badewanne kann tödlich sein – das ist kein reines Filmklischee. Laut VDE passieren rund 11 Prozent der tödlichen Stromunfälle in Deutschland in der Badewanne. Der Strom fließt dabei über das Wasser und deinen Körper zur geerdeten Wanne ab. Ein FI-Schalter verhindert genau das.
Läuft ein Föhn unter Wasser weiter?
Theoretisch ja. Genau das ist der Punkt: Weil kein klassischer Kurzschluss entsteht, schaltet sich das Gerät nicht zwangsläufig ab – der Strom sucht sich stattdessen den Weg über das Wasser und den Körper des Badenden.
Warum springt die Sicherung beim Föhn in der Badewanne nicht heraus?
Weil klassische Sicherungen erst bei einem Kurzschluss abschalten. Sie sind dafür da, einen Kabelbrand zu verhindern, nicht dafür, einen Menschen zu schützen. Diese Aufgabe übernimmt nur der FI-Schalter, der schon kleinste Fehlerströme erkennt.
Föhn in der Badewanne trotz FI-Schalter – was passiert?
Mit einem funktionierenden FI-Schalter fällt ein ins Wasser gefallener Föhn deutlich glimpflicher aus: Sobald eine Differenz von 30 Milliampere zwischen zu- und abfließendem Strom entsteht, trennt der Schalter die Stromzufuhr in Sekundenbruchteilen – oft in unter 40 Millisekunden. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Leben und Tod.
Wie viele Menschen sterben in der Badewanne?
Die meisten Todesfälle in der Badewanne gehen nicht auf Strom zurück, sondern auf Ertrinken – etwa durch Kreislaufkollaps oder Einschlafen im heißen Wasser. Die DLRG zählt in Deutschland jährlich mehrere Hundert Ertrinkungstote, die meisten davon allerdings in Seen und Flüssen. Tödliche Stromunfälle sind insgesamt selten und stark rückläufig.
Habe ich in meinem Bad überhaupt einen FI-Schalter?
In Neubaubädern ist er seit 1984 Pflicht, seit Anfang 2009 gilt im Neubau die Überwachung aller Steckdosen-Stromkreise. In älteren Gebäuden ist er dagegen nicht selbstverständlich – hier lohnt sich eine Prüfung durch einen Elektriker, und die Nachrüstung dauert nur rund eine Stunde.

