Eine Infrarotkabine für zuhause ist die unkomplizierteste Art, sich Wellness ins eigene Bad zu holen: rund ein Quadratmeter Stellfläche, normale Steckdose, nach 10 bis 20 Minuten warm. Der Haken – zwischen der 850-Euro-Einzelkabine und der 2.200-Euro-Vollspektrumkabine für zwei liegen Welten, und die Produktbeschreibungen verraten ausgerechnet das nicht, was zählt.
Ich habe die beliebtesten Infrarotkabinen auf Amazon.de verglichen, Bewertungen ausgewertet und die Strahlertechnik gegenübergestellt. Dazu die Punkte, über die Shop-Seiten schweigen: was Flächen-, Keramik- und Vollspektrumstrahler unterscheidet, was eine Anwendung an Strom kostet (vorgerechnet), ob deine Steckdose reicht, wie viel Gewicht auf der Decke landet – und wie belastbar die EMF-Angaben der Hersteller sind.
Transparenz: Die mit * markierten Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein, erhalte ich eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. Bewertungen und Preise: Stand September 2026, Amazon.de (Tagespreise können abweichen).
Worauf du beim Kauf achten solltest
- Strahlertechnik: Flächenstrahler wärmen sanft, Keramikstrahler punktuell und heiß, Vollspektrumstrahler tief und schnell. Die besten Kabinen kombinieren zwei Systeme („Dual“, „Triplex“).
- Innenmaß statt Personenangabe: „Für 2 Personen“ heißt bei 105 cm Tiefe Schulter an Schulter. Unter 120 cm Breite wird es für zwei Erwachsene eng, entspannt sitzt ihr ab 130 cm.
- Anschlussleistung: Alles bis rund 3.000 Watt läuft an einer normalen Schuko-Dose – die Rechnung dazu weiter unten.
- Holz und Tür: Hemlocktanne ist Standard, geruchsneutral und stabil. Eine Ganzglastür macht die Kabine im Raum deutlich weniger klobig.
- Bedienung: Wichtiger als Bluetooth ist, ob der Rückenstrahler separat regelbar und die Steuerung auch von innen erreichbar ist.
- Lieferung: Die Kabine kommt als Palette mit 150 bis 250 Kilo. Kläre vorher, ob „frei Bordsteinkante“ geliefert wird – daran scheitern in den Rezensionen die meisten.
- Bewertungsbasis: Bei drei Rezensionen sagt eine 5,0 nichts. Ich habe Modelle mit vielen Bewertungen bewusst höher gewichtet.
Flächen-, Keramik- oder Vollspektrumstrahler?
Diese Entscheidung prägt dein Wärmeempfinden am stärksten – und hat wenig mit dem Preis zu tun, viel mit Geschmack. Infrarotstrahlung wird nach Wellenlänge unterteilt: IR-A von 780 bis 1.400 Nanometer, IR-B von 1.400 bis 3.000, IR-C darüber. Je kürzer die Welle, desto energiereicher: Bei IR-A sind es laut Herstellerangaben rund vier bis fünf Millimeter Eindringtiefe in die obere Haut, bei IR-C wird die Energie praktisch an der Oberfläche aufgenommen.
- Flächenstrahler (IR-C): großflächige Elemente hinter Holz- oder Karbonplatten, Oberfläche nur handwarm. Gleichmäßige Wärme aus Rücken und Seiten, kein „Brennpunkt“ – heizt dafür am langsamsten auf.
- Keramikstrahler (IR-B): Stäbe, die an der Oberfläche mehrere Hundert Grad erreichen, Artsauna nennt rund 750 °C. Punktuell und intensiv, du brauchst Abstand und spürst genau, wo der Strahler sitzt.
- Vollspektrumstrahler (IR-A, -B und -C): Quarzstrahler über alle drei Bereiche, in wenigen Minuten auf Temperatur, die direkteste Wärme. Sie sitzen meist frontal – das mögen manche sehr und andere gar nicht.
Mein Rat: Kombination schlägt Reinform
Für „einfach 30 Minuten entspannt sitzen“ ist eine Kombikabine mit Flächenstrahlern im Rücken plus Vollspektrum vorn die sicherere Wahl: Du kannst die intensiven Strahler abschalten oder dimmen, wenn dir danach ist. Genau das können die Modelle auf Platz 3 und 5.
Vergleichstabelle: 7 Infrarotkabinen
Meine Wertung kombiniert Amazon-Bewertung und Rezensionszahl, Ausstattung und Strahlertechnik, Innenmaß im Verhältnis zur Personenangabe und Preis-Leistung. Ich hatte keine dieser Kabinen selbst im Wohnzimmer stehen – die Einschätzung stützt sich auf Datenblätter, Ausstattung und ausgewertete Käufermeinungen.
| Platz | Modell | Eckdaten | Amazon-Bewertung | Preis ca. | Meine Wertung |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Dewello Pierson 160×105* | 2–3 Pers., Vollspektrum + Bodenstrahler, Hemlock | 4,7 / 273 Bew. | 2.199 € | 9,4 |
| 2 | Dewello Hyder 115×105* | 1–2 Pers., Vollspektrum, Hemlock, Bluetooth | 4,7 / 130 Bew. | 1.599 € | 9,1 |
| 3 | Artsauna Kiruna130 Premium* | 2 Pers., 130×105×190 cm, Vollspektrum + Flächenstrahler | 4,7 / 18 Bew. | 1.999 € | 8,9 |
| 4 | Dewello Laval Plus 135×105* | 1–2 Pers., Keramikstrahler, LED-Farblicht | 4,9 / 37 Bew. | 1.699 € | 8,7 |
| 5 | Artsauna Kiruna90* | 1 Pers., 90×90×190 cm, 4 Vollspektrum + 3 Flächenstrahler | 4,6 / 14 Bew. | 850 € | 8,5 |
| 6 | Artsauna Nyborg S120K* | 2 Pers., 120×105×190 cm, Keramikstrahler | 4,6 / 16 Bew. | 999 € | 8,3 |
| 7 | Home Deluxe Sahara XXL* | 2–3 Pers., 150×150×200 cm, 8 Vollspektrumstrahler | 4,5 / 21 Bew. | 1.949 € | 8,1 |
Die Bestenliste im Detail
Platz 1: Dewello Pierson 160×105 – der Testsieger

273 Bewertungen bei 4,7 Sternen sind in dieser Kategorie eine Ansage – die meisten Infrarotkabinen kommen über 30 Rezensionen nicht hinaus. Mit 160 Zentimetern Breite sitzen zwei Erwachsene tatsächlich nebeneinander. Dazu Vollspektrumstrahler vorn und, die Besonderheit, ein Bodenstrahler für die Füße: Wer schon mal mit warmem Rücken und kalten Zehen dasaß, weiß, wie viel das ausmacht.
- Stärken: mit Abstand breiteste Bewertungsbasis, ehrliches Zwei-Personen-Maß, Bodenstrahler, volle Ausstattung mit LED-Farblicht, Bluetooth und Steuerung innen wie außen.
- Schwächen: 160 cm Breite brauchen eine Wand, die das hergibt – für kleine Bäder fällt sie raus. Der frontale Vollspektrumstrahler ist Geschmackssache, weil die Wärme sehr direkt kommt.
- Für wen? Für alle mit Platz, die zu zweit schwitzen und beim größten Möbelstück im Raum nicht auf drei Rezensionen vertrauen wollen.
Platz 2: Dewello Hyder 115×105 – der Preis-Leistungs-Sieger

Die kleine Schwester der Pierson: gleiche Bauart, gleiches Hemlockholz, Vollspektrumstrahler, dieselbe Ausstattung – nur auf 115 mal 105 Zentimeter geschrumpft und 600 Euro günstiger. Mit 130 Bewertungen bei 4,7 Sternen ist die Datenbasis solide. Wenn du die Kabine überwiegend allein nutzt, ist das aus meiner Sicht der klügste Kauf im Feld.
- Stärken: bestes Verhältnis aus Ausstattung, Bewertungsbasis und Preis, kompaktes Stellmaß, Vollspektrumtechnik.
- Schwächen: kein Bodenstrahler – und „1–2 Personen“ ist bei 115 cm Breite sehr optimistisch formuliert.
- Für wen? Für Einzelnutzer und Paare, die abwechselnd hinein, nicht gleichzeitig.
Platz 3: Artsauna Kiruna130 Premium – der Kombi-Tipp

Diese Kabine macht genau das, was ich oben empfohlen habe: Flächenstrahler für die sanfte Hüllwärme plus Vollspektrum für die direkte Tiefenwärme. Der Clou ist der dimmbare Rückenstrahler – du passt die Intensität an deine Tagesform an, statt zwischen „an“ und „aus“ zu wählen. Bei 130 mal 105 Zentimetern sitzen zwei Personen vernünftig.
- Stärken: durchdachte Strahlerkombination, dimmbarer Rückenstrahler, gutes Innenmaß, etablierte Marke mit guter Ersatzteilversorgung.
- Schwächen: nur 18 Bewertungen – die Langzeiterfahrung fehlt. Und 2.000 Euro für 130 cm Breite sind kein Schnäppchen.
- Für wen? Für alle, die noch nicht wissen, ob sie sanfte oder intensive Wärme mögen.
Platz 4: Dewello Laval Plus 135×105 – der Geheimtipp für Keramik-Fans

4,9 Sterne aus 37 Bewertungen ist der beste Schnitt im Feld. Die Laval Plus setzt bewusst auf Keramikstrahler: klassische, punktuell intensive Wärme wie von der Rotlichtlampe, nur über mehrere Strahler verteilt. 135 mal 105 Zentimeter sind ein ehrliches Maß für „eine Person bequem, zwei eng, aber machbar“.
- Stärken: beste Durchschnittsbewertung, ordentliches Innenmaß, volle Ausstattung mit LED-Farblicht und Bluetooth.
- Schwächen: keine Flächenstrahler – wenn dir punktuelle Hitze unangenehm ist, wirst du damit nicht glücklich. Keramikstrahler brauchen Sicherheitsabstand, du kannst nicht beliebig nah heranrutschen.
- Für wen? Für Rotlicht-Liebhaber und alle, die gezielte Wärme auf Nacken und Rücken suchen.
Platz 5: Artsauna Kiruna90 – der Preistipp

Für rund 850 Euro bekommst du vier Vollspektrum- und drei Flächenstrahler – dieselbe Kombi-Technik wie in der mehr als doppelt so teuren Kiruna130, nur auf 90 mal 90 Zentimeter zusammengefaltet. Das ist für eine Person gedacht und genau so zu verstehen. Es ist die einzige Kabine im Feld, deren Stellfläche unter einem Quadratmeter bleibt.
- Stärken: günstigster Einstieg, trotzdem zwei Strahlertechnologien, minimale Stellfläche, LED-Farblicht und Glastür serienmäßig.
- Schwächen: wirklich nur für eine Person – zu zweit unmöglich. Mit 14 Bewertungen ist die Datenbasis dünn.
- Für wen? Für Singles, kleine Wohnungen und alle, die erst testen wollen, ob Infrarot ihr Ding ist.
Platz 6: Artsauna Nyborg S120K – der günstige Einstieg für zwei

Knapp unter 1.000 Euro für eine Kabine, in die zwei Personen passen – die günstigste Zwei-Personen-Lösung mit guter Bewertung, die ich gefunden habe. Der Preis kommt zustande, weil Artsauna ausschließlich auf Keramikstrahler setzt; die sind deutlich günstiger als Vollspektrumstrahler und heizen trotzdem zügig auf.
- Stärken: günstigster Zweisitzer im Vergleich, solide 4,6 Sterne, schnelle Aufheizzeit, LED-Farblicht und Ganzglastür serienmäßig.
- Schwächen: nur eine Strahlertechnologie, keine sanfte Flächenwärme, bei der Ausstattung Abstriche gegenüber Dewello – und 120 × 105 cm sind für zwei Erwachsene knapp.
- Für wen? Für Paare mit begrenztem Budget, die Infrarotwärme ausprobieren wollen.
Platz 7: Home Deluxe Sahara XXL – der Platz-Tipp

Wenn Platz kein Thema ist, bekommst du hier für rund 1.950 Euro die großzügigste Kabine im Vergleich: 150 mal 150 Zentimeter Grundfläche, 200 Zentimeter Höhe, acht Vollspektrumstrahler. Zu zweit hast du reichlich Luft, zu dritt geht es. Auf Platz 7 landet sie trotzdem, weil 2,25 Quadratmeter in einer normalen Wohnung eine Hausnummer sind.
- Stärken: größtes Innenmaß, acht Strahler, Eckaufstellung möglich, 200 cm Höhe auch für große Menschen.
- Schwächen: braucht 2,25 m² Stellfläche und hat die höchste Anschlussleistung im Feld – prüf deinen Stromkreis. Reine Vollspektrum-Bestückung ohne sanfte Flächenwärme.
- Für wen? Für Keller-, Dachgeschoss- oder Hobbyraum-Projekte ohne Quadratmeter-Engpass.
Infrarotkabine oder finnische Sauna?
Es sind zwei verschiedene Anwendungen, die nur zufällig beide in einer Holzkabine stattfinden. In der finnischen Sauna herrschen typischerweise 80 bis 95 °C bei sehr trockener Luft, die durch Aufgüsse kurzzeitig feucht wird; geheizt wird der Raum. Aufheizen dauert 30 bis 60 Minuten, ein Gang 10 bis 15 Minuten, Platzbedarf mindestens rund vier Quadratmeter – dazu in aller Regel ein 400-Volt-Starkstromanschluss von der Elektrofachkraft.
In der Infrarotkabine liegen die Lufttemperaturen bei 40 bis 60 °C, die Luftfeuchtigkeit entspricht im Wesentlichen der des Aufstellraums – du gießt hier nichts auf. Geheizt wird nicht die Luft, sondern über Strahlung direkt dein Körper. Aufheizzeit 10 bis 20 Minuten, eine durchgehende Sitzung von 20 bis 30 Minuten, Platzbedarf ab etwa einem Quadratmeter, Anschluss an der normalen Steckdose.
Was das praktisch bedeutet
Die Infrarotkabine ist die Alltagslösung: schnell an, milde Wärme, keine Umbauten. Die finnische Sauna ist das Ritual mit dem intensiveren Reiz – wenn du den klassischen Hitze-Kälte-Wechsel suchst, ersetzt Infrarot ihn nicht. Wie du den Kältereiz auch ohne Sauna bekommst, steht im Beitrag zum Wechselduschen und zum Eisbaden in der Badewanne.
Zur Wirkung bleibe ich nüchtern: Was eine Infrarotkabine sicher liefert, ist milde Wärme und Entspannung – der Grund, warum die meisten sie kaufen. Alles, was in Produktbeschreibungen über „Entgiftung“ oder das Heilen von Beschwerden steht, gehört ins Marketing, nicht in eine Kaufberatung. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Herz-Kreislauf-Medikamenten oder in der Schwangerschaft sprich vor regelmäßigen Wärmeanwendungen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Stromverbrauch und Kosten pro Anwendung
Der größte Irrtum: Leute sehen 2.000 Watt Anschlussleistung und rechnen hoch, als liefe das Ding eine Stunde unter Volllast. Tut es nicht – nach dem Aufheizen takten die Strahler über den Thermostat, in der Anwendungsphase liegt die mittlere Leistungsaufnahme erfahrungsgemäß bei 50 bis 70 Prozent der Nennleistung.
- Aufheizen: 15 Minuten bei voller Leistung. Bei 2,0 kW sind das 2,0 × 0,25 h = 0,5 kWh.
- Anwendung: 30 Minuten bei etwa 60 Prozent Auslastung: 2,0 × 0,6 × 0,5 h = 0,6 kWh.
- Summe: rund 1,1 kWh pro Anwendung.
- Kosten: bei 35 Cent je Kilowattstunde – prüf deinen Tarif, die Spanne ist groß – rund 0,39 € pro Sitzung.
Die kleine 1,4-kW-Einzelkabine landet nach derselben Rechnung bei etwa 0,77 kWh und 27 Cent, eine 2,5-kW-Kabine für drei Personen bei knapp 1,4 kWh und rund 48 Cent. Artsauna nennt im eigenen Kostenratgeber 0,30 bis 0,60 Euro je Anwendung – das deckt sich gut. Hochgerechnet: dreimal pro Woche über die sechs Monate Heizperiode sind rund 86 Anwendungen, etwa 95 Kilowattstunden und ungefähr 33 Euro Strom für die ganze Saison. Die Investition steckt im Kabinenpreis, nicht im Betrieb. Wenn du gern rechnest: Ich habe einen Sauna-Rechner und einen Duschkosten-Rechner gebaut.
Stellplatz, Bodenlast, Anschluss und Aufbau
Reicht die normale Steckdose? In aller Regel ja. Eine Schuko-Dose ist auf 16 Ampere ausgelegt, das entspricht bei 230 Volt rund 3.680 Watt. Eine 2,0-kW-Kabine zieht knapp 9 Ampere, eine 2,5-kW-Kabine etwa 11 – beides passt. Starkstrom brauchst du erst, wenn der Hersteller ausdrücklich einen 400-Volt-Anschluss vorschreibt, was bei keiner Kabine in diesem Vergleich der Fall ist.
- Eigener Stromkreis: ideal eine Leitung, an der sonst nichts Großes hängt, mit 16-A-Leitungsschutzschalter und FI-Schutzschalter. Hängen Waschmaschine und Kabine am selben Kreis, fliegt irgendwann die Sicherung.
- Keine Mehrfachsteckdose, keine Kabeltrommel: direkt in die Wandsteckdose. Eine aufgerollte Trommel unter Dauerlast ist eine klassische Brandursache.
- Abstand zur Wand: meist fünf bis zehn Zentimeter rundum – die Kabine braucht Luft, du brauchst Zugang zur Verkabelung hinten.
- Belüftung: Fenster oder Abluft im Aufstellraum sind Pflicht, damit die Feuchtigkeit abziehen kann und nicht ins Holz wandert.
Bodenlast: Decken in Wohnräumen werden in Deutschland nach DIN EN 1991-1-1/NA üblicherweise auf eine gleichmäßig verteilte Nutzlast von 1,5 kN/m² ausgelegt – rund 150 Kilogramm pro Quadratmeter. Eine Zwei-Personen-Kabine wiegt leer 150 bis 200 Kilo, dazu zwei Erwachsene mit vielleicht 160 Kilo. Bei 1,26 m² Grundfläche landest du rechnerisch bei rund 280 kg/m².
Kein Grund zur Panik – aber zum Hinschauen
Der Normwert ist ein Rechenansatz mit Sicherheitsreserven, und die Last verteilt sich über den Bodenrahmen, nicht über vier Punkte. Im Neubau mit Betondecke ist das unkritisch. Im Altbau mit Holzbalkendecke oder im Dachgeschoss würde ich die Kabine nah an eine tragende Wand stellen, möglichst quer zur Balkenrichtung – und bei Unsicherheit eine halbe Stunde Statikerberatung einplanen. Im Keller auf der Bodenplatte stellt sich die Frage nicht.
Aufbau allein oder zu zweit? Die Kabinen kommen als Stecksystem mit Verschlusshaken, das ist kein Schreinerjob. Trotzdem: Plan zwei Personen ein. Spätestens die Glasfront wiegt deutlich über 20 Kilo, muss senkrecht in die Führung gesetzt und dabei gehalten werden – genau da geht allein etwas kaputt. Rechne mit zwei bis drei Stunden, und bau die Kabine dort auf, wo sie stehen soll: fertig montiert lässt sie sich kaum noch verschieben.
EMF-Werte: Kaufkriterium oder Marketing?
„Low EMF“ prangt auf immer mehr Kabinen und wird im Premiumsegment zum zentralen Verkaufsargument. Die Idee: Heizelemente und Zuleitungen erzeugen niederfrequente Wechselfelder, die im Sitzbereich möglichst niedrig sein sollen. Zur Einordnung: In Deutschland regelt die 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung die Grenzwerte. Für die 50-Hz-Netzfrequenz liegt der Wert für die magnetische Flussdichte bei 200 Mikrotesla, wobei für Anlagen der öffentlichen Stromversorgung in der Praxis 100 Mikrotesla gelten. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält fest, dass die Einhaltung dieser Werte den Schutz der Bevölkerung auch bei Dauerexposition sicherstellt.
Und jetzt der Punkt, den Hersteller nicht gern lesen: Die EMF-Angaben in Produktbeschreibungen sind praktisch nie nachvollziehbar. Es fehlen Messabstand, Messpunkt, Betriebszustand und die Norm, nach der gemessen wurde – und genau das entscheidet über das Ergebnis, weil die Feldstärke mit dem Abstand zur Quelle rapide abfällt. Ein „unter 3 mG, gemessen“ ohne Angabe, ob in 5 oder 50 Zentimetern und bei welcher Last, ist keine Information, sondern ein Werbeversprechen. Selbst nachmessen hilft nur bedingt: Das Bundesamt für Strahlenschutz weist ausdrücklich darauf hin, dass preisgünstige EMF-Messgeräte und Smartphone-Apps nur grobe Werte liefern und für belastbare Messungen ungeeignet sind.
Wie ich damit umgehen würde
Ich würde EMF nicht zum Hauptkriterium machen und dafür keinen vierstelligen Aufpreis zahlen. Zwei Dinge bringen real etwas und kosten nichts: Setz dich nicht direkt an die Wand, hinter der Zuleitungen und Steuerkasten sitzen, und wähle eine Kabine, in der du ein paar Zentimeter Abstand zu den Heizelementen halten kannst. Und wenn ein Hersteller Werte angibt: Frag nach dem Prüfbericht. Die Antwort sagt dir mehr als jede Zahl im Datenblatt.
Pflege, Zubehör und Folgekosten
- Nach jeder Anwendung: Tür 15 bis 20 Minuten offen stehen lassen, damit die Restfeuchte aus dem Holz zieht. Der wichtigste Punkt überhaupt.
- Sitzfläche schützen: immer auf einem Handtuch sitzen. Schweiß im unbehandelten Holz ist der Hauptgrund, warum Kabinen nach zwei Jahren müffeln. Ein Sitztuch 50 × 40 cm* kostet unter 10 Euro.
- Wöchentlich: Bank und Rückwand mit leicht feuchtem Tuch abwischen – keine Reiniger, kein Essig, keine Öle direkt aufs Holz.
- Duft: In der Infrarotkabine wird nicht aufgegossen. Wenn du Duft willst, nimm ein Spray, das ausdrücklich dafür gedacht ist, etwa das AllgäuQuelle Bio-Duftspray* (4,5 Sterne aus fast 400 Bewertungen, rund 13 Euro) – und sprüh nie direkt auf die Strahler.
Verschleißteile gibt es kaum: Vollspektrumstrahler halten laut Herstellerangaben mehrere Tausend Betriebsstunden, Flächenstrahler faktisch so lange wie die Kabine. Die realistischen Folgekosten sind der Strom und alle paar Jahre vielleicht ein Ersatzstrahler. Wie Wärme, Training und Regeneration zusammenspielen, steht im Beitrag über das Home-Gym mit Badewanne; ans Trinken davor und danach erinnert dich die Trinkmengen-Berechnung.
Mein Fazit
Wenn du den Platz hast und zu zweit schwitzen willst, führt für mich kein Weg an der Dewello Pierson 160×105 vorbei: 273 Bewertungen bei 4,7 Sternen sind die mit Abstand breiteste Käuferbasis im Vergleich, das Innenmaß ist ehrlich, und der Bodenstrahler bringt im Alltag mehr als jede Bluetooth-Funktion.
Für kleinere Grundrisse ist die Dewello Hyder für rund 1.600 Euro der vernünftigste Kauf, und wer erst ausprobieren will, ob Infrarotwärme zu ihm passt, kommt mit der Artsauna Kiruna90 für unter 900 Euro erstaunlich weit. Was du mitnehmen solltest: Die Kabine ist eine Wärme- und Entspannungsanwendung, keine Therapie. Der Betrieb kostet keine 40 Cent pro Sitzung, deine Steckdose reicht, der Aufbau ist zu zweit an einem Nachmittag erledigt – und das große EMF-Thema ist deutlich mehr Marketing als Physik.
Häufige Fragen
Wie oft kann ich eine Infrarotkabine nutzen?
Für die meisten gesunden Erwachsenen sind zwei bis vier Anwendungen pro Woche à 20 bis 30 Minuten ein üblicher Rhythmus. Achte auf ausreichend Flüssigkeit davor und danach. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, niedrigem Blutdruck, Schwangerschaft oder Medikamenten, die Kreislauf oder Wärmeempfinden beeinflussen, klär die Nutzung vorher ärztlich ab.
Ersetzt eine Infrarotkabine die Sauna?
Nein. 40 bis 60 °C statt 80 bis 95 °C, kein Aufguss, Wärme über Strahlung statt über heiße Luft – eine andere Anwendung mit deutlich milderem Reiz. Wer den klassischen Sauna-Effekt sucht, wird Infrarot als schwächer empfinden. Wer 95 °C nie mochte, wird es genau deshalb mögen.
Wie lange dauert das Aufheizen?
Je nach Strahlertyp 10 bis 20 Minuten. Vollspektrumstrahler sind in wenigen Minuten auf Temperatur, Keramikstrahler brauchen etwas länger, reine Flächenstrahler bauen die Wärme am langsamsten auf. Bei Vollspektrumkabinen kannst du im Prinzip nach fünf Minuten hinein und dich mit aufwärmen lassen.
Kann ich die Kabine im Badezimmer aufstellen?
Ja, das ist sogar der häufigste Standort – vorausgesetzt, der Raum lässt sich belüften und eine geeignete Steckdose ist in Reichweite. Die Kabine darf nicht im Spritzwasserbereich stehen, der Boden muss eben sein. In fensterlosen Bädern brauchst du eine funktionierende Abluft.
Brauche ich Starkstrom?
Bei den Heimkabinen aus diesem Vergleich nicht. Alle laufen an einer 230-Volt-Schuko-Steckdose, die auf 16 Ampere und damit rund 3.680 Watt ausgelegt ist. Empfehlenswert ist ein eigener Stromkreis mit 16-A-Sicherung und FI-Schutzschalter, ohne Mehrfachsteckdose und Kabeltrommel.
Wie viel Platz brauche ich wirklich?
Die reine Stellfläche beginnt bei etwa 0,8 Quadratmetern für eine Einzelkabine und liegt bei 1,3 bis 2,3 Quadratmetern für Zwei- bis Drei-Personen-Modelle. Dazu fünf bis zehn Zentimeter Wandabstand rundum und Platz für die Tür. Bei 190 bis 200 Zentimetern Höhe brauchst du für den Aufbau ein paar Zentimeter mehr, als die fertige Kabine hoch ist.

