Fliesenfugen erneuern: Anleitung, Werkzeug & Kosten

Das Badezimmer

Fliesenfugen erneuern ist eine der dankbarsten Renovierungsarbeiten im Bad: Mit ein paar Euro Material und einem Wochenende Arbeit sehen alte Fliesen plötzlich wieder fast wie neu aus. Der Knackpunkt ist nicht das Verfugen, sondern das gründliche Auskratzen der alten Fugen, der richtige Fugenmörtel und ein sauberes Abwaschen, bevor sich ein Zementschleier festsetzt.

Kurz & knapp

Zum Fliesenfugen erneuern kratzt du die alte Fuge mindestens zu zwei Dritteln ihrer Tiefe aus (meist 3–5 mm), saugst sie aus, nässt sie vor und arbeitest flexiblen Fugenmörtel (CG2 WA nach DIN EN 13888) diagonal mit dem Gummischieber ein. Selbst gemacht kostet das rund 3–10 € Material pro m², ein Fliesenleger verlangt inklusive Auskratzen etwa 30–70 € pro m².

Ich habe in meinem eigenen Bad schon mehrfach verfugt und dabei gelernt: Wer beim Auskratzen schludert, verfugt ein Jahr später noch einmal. Bevor du loslegst, lohnt sich ein ehrlicher Blick, ob deine Fugen wirklich hinüber sind oder ob eine gründliche Reinigung reicht. Wie das geht, zeige ich in meinem Beitrag Fugen reinigen: Hausmittel und Profi-Tricks. Hier geht es um den Fall, in dem Putzen nicht mehr hilft.

Fliesenfugen erneuern oder nur reinigen? Die Anzeichen

Zementäre Fugen sind die Schwachstelle jeder Fliesenfläche. Sie sind offenporiger als die Fliese, nehmen Wasser, Seifenreste und Hautfett auf und werden mit jeder aggressiven Reinigung ein wenig ausgewaschen. Nach 10 bis 20 Jahren sind sie in Dusche und Wannenbereich oft am Ende, auch wenn die Fliesen selbst noch top aussehen.

Diese Anzeichen sprechen klar fürs Erneuern statt Reinigen:

  • Risse: Haarrisse in der Fuge oder Risse entlang der Fliesenkante lassen Wasser direkt in den Untergrund.
  • Bröselige Fugen: Wenn du mit dem Fingernagel oder einem Schlüssel Material herauskratzen kannst, hat der Mörtel seine Festigkeit verloren.
  • Ausgewaschene Fugen: Die Fuge liegt deutlich tiefer als die Fliesenkante, der Sand im Mörtel ist sichtbar und fühlt sich rau an.
  • Dauerhafte Verfärbung: Graue, schwarze oder rosa Flecken, die nach mehreren Reinigungsdurchgängen sofort wiederkommen, sitzen tief im Material. Schimmel, der in die Fuge eingewachsen ist, bekommst du an der Oberfläche nicht mehr weg.
  • Fehlende Stücke: Löcher oder herausgebrochene Fugenteile, etwa nach einem Wasserschaden oder durch Setzbewegungen.

Sind die Fugen dagegen fest, nur oberflächlich grau und lassen sich mit einer Bürste und dem richtigen Reiniger deutlich aufhellen, reicht eine Grundreinigung. Erneuern kostet Zeit und Staub, also nur dann, wenn es wirklich nötig ist.

Kann man Fugen einfach überfugen?

Die kurze Antwort: Nein. Das ist der Fehler, den ich am häufigsten sehe. Eine dünne Schicht frischer Fugenmörtel auf der alten Fuge hat kaum Haftung und keinen Halt. Sie platzt nach wenigen Wochen in Schollen ab, besonders dort, wo es nass wird. Außerdem bleibt darunter genau das Problem bestehen, das du loswerden willst: Risse, Schmutz und Schimmel in der alten Fuge.

Als Faustregel gilt: Die alte Fuge muss mindestens zu zwei Dritteln ihrer Tiefe ausgekratzt werden, damit der neue Mörtel genug Masse und Flankenhaftung bekommt. Bei üblichen Wandfliesen mit 6–8 mm Stärke heißt das praktisch: mindestens 3–5 mm tief, auf keinen Fall nur 1–2 mm. Wichtig ist auch, dass die Fugenflanken, also die Kanten der Fliesen, sauber und frei von altem Mörtel sind. Daran haftet die neue Fuge.

Fugen auskratzen: Fugenkratzer entfernt alten Fugenmörtel zwischen weißen Fliesen
Fugen auskratzen ist die eigentliche Arbeit: gleichmäßig tief und mit sauberen Flanken (KI-Visualisierung)

Ausnahme: Ist eine Fuge nur an einzelnen Stellen beschädigt, kannst du lokal ausbessern. Aber auch dann gilt, dass die betroffene Stelle vorher ausgekratzt wird. Mehr dazu weiter unten im Abschnitt zum Ausbessern.

Welcher Fugenmörtel für Bad und Dusche?

Fugenmörtel ist nach der Norm DIN EN 13888 eingeteilt. Für dich sind vor allem drei Kürzel wichtig: CG steht für zementären Fugenmörtel (C wie cementitious, G wie grout), RG für Reaktionsharz-Fugenmörtel, also Epoxid. Die Zusätze W (reduzierte Wasseraufnahme) und A (hohe Abriebfestigkeit) und die Klasse 2 (verbesserte Eigenschaften) machen aus einem einfachen Mörtel einen, der im Bad wirklich etwas taugt.

Fugenmörtel Norm-Kürzel Einsatz im Bad Vorteile Nachteile
Zementär, Standard CG1 trockene Wandflächen, WC-Bereich günstig, sehr einfach zu verarbeiten nimmt mehr Wasser auf, wird schneller grau, für Dusche nur zweite Wahl
Zementär, flexibel CG2 WA Wand und Boden im ganzen Bad, Dusche, Wannenbereich wasserabweisend, abriebfest, leicht flexibel, große Farbauswahl braucht etwas Übung beim Abwaschen, bleibt offenporiger als Epoxid
Epoxidharz RG bodengleiche Dusche, stark beanspruchte Böden, Nischen nahezu wasserdicht, sehr fleckenresistent, säurebeständig teurer, kurze Verarbeitungszeit, Harzschleier muss sofort weg
Schnellfugenmörtel meist CG2 WA Dusche, die schnell wieder genutzt werden soll oft schon nach wenigen Stunden belastbar kurze Topfzeit, nur kleine Mengen anmischen

Meine Empfehlung für fast alle Bäder: ein flexibler zementärer Fugenmörtel der Klasse CG2 WA. Er ist gutmütig in der Verarbeitung und hält in der Dusche viele Jahre. Epoxid lohnt sich vor allem in bodengleichen Duschen und auf Flächen, die ständig nass sind oder stark verschmutzen. Wenn du noch nie mit Epoxid gearbeitet hast, übe vorher an einem Reststück, denn das Material verzeiht wenig.

Fugenfarbe: Welche Optionen gibt es?

  • Weiß und Hellgrau: wirken frisch und ruhig, zeigen aber jede Verschmutzung. In der Dusche brauchen sie mehr Pflege.
  • Silbergrau bis Mittelgrau: mein Allrounder. Kaschiert Seifen- und Kalkreste und passt zu weißen wie farbigen Fliesen.
  • Anthrazit und Schwarz: grafischer Look, besonders bei großen Formaten. Achtung bei kalkhaltigem Wasser: Weiße Kalkränder sieht man darauf sofort.
  • Ton-in-Ton: Fugenfarbe passend zur Fliese lässt die Fläche ruhiger und größer wirken.

Planst du ohnehin eine optische Auffrischung der ganzen Wand, schau dir auch meinen Beitrag zum Thema Fliesen streichen an. Dann solltest du die Fugen vorher erneuern, damit die Farbe auf einem soliden Untergrund sitzt.

Werkzeug und Material zum Fugen erneuern

Das meiste bekommst du im Baumarkt, vieles hast du vielleicht schon. Diese Liste hat sich bei mir bewährt:

  • Fugenkratzer mit Hartmetallklinge: das Standardwerkzeug zum Fugen auskratzen, ca. 5–15 €. Für kleine Flächen völlig ausreichend.
  • Multitool mit Fugenblatt: oszillierendes Werkzeug mit Hartmetall- oder Diamant-Segmentblatt, spart bei größeren Flächen viel Zeit. Ein passendes Blatt kostet ca. 15–35 €.
  • Staubsauger, idealerweise Industrie- oder Werkstattsauger: zum Aussaugen der Fugen und für weniger Staub im Haus.
  • Flexibler Fugenmörtel CG2 WA (oder Epoxid für die Dusche) in der gewünschten Farbe.
  • Eimer, Rührquirl und Bohrmaschine: für klumpenfreien Mörtel. Kleine Mengen gehen auch mit einem stabilen Spachtel.
  • Gummischieber oder Fugbrett: zum Einarbeiten des Mörtels, ca. 8–15 €.
  • Fugenschwamm oder Schwammbrett: zum Abwaschen, dazu ein zweiter Eimer mit klarem Wasser.
  • Zementschleierentferner und ein trockenes Baumwolltuch für die Endreinigung.
  • Schutzausrüstung: Schutzbrille, Staubmaske (FFP2), Handschuhe. Zementmörtel ist alkalisch und reizt Haut und Augen.
  • Abdeckmaterial: Malerkrepp und Folie für Armaturen, Wanne und Duschtasse.

Achtung Glasur

Beim Multitool rutscht das Blatt schnell aus der Fuge ab und hinterlässt Kratzer auf der Fliesenglasur, die du nicht mehr wegbekommst. Arbeite deshalb mit niedriger Drehzahl, führe das Gerät mit beiden Händen und setze das Blatt immer mittig in der Fuge an. Ein Winkelschleifer hat an Wandfliesen nichts zu suchen.

Fliesenfugen erneuern: Schritt-für-Schritt-Anleitung

So gehe ich vor, wenn ich Fugen in Dusche oder Bad komplett erneuere. Plane die Arbeit so, dass du zwischen Verfugen und Abwaschen nicht unterbrochen wirst.

  1. Vorbereiten und abdecken: Bad ausräumen, Armaturen, Wanne und Duschtasse mit Folie und Malerkrepp schützen, den Abfluss abdecken. Altes Silikon in den Anschlussfugen schneidest du jetzt schon heraus, damit es beim Verfugen nicht stört.
  2. Fugen auskratzen: Mit dem Fugenkratzer oder Multitool die alte Fuge gleichmäßig mindestens zu zwei Dritteln, meist 3–5 mm tief, entfernen. Arbeite in Bahnen, erst alle senkrechten, dann alle waagerechten Fugen. Die Fliesenkanten müssen sauber sein.
  3. Aussaugen und entstauben: Fugen gründlich aussaugen und mit einem Pinsel nachkehren. Staub ist der größte Haftungskiller für den neuen Mörtel.
  4. Fugen vornässen: Die Fugen mit einem feuchten Schwamm leicht anfeuchten, sodass sie mattfeucht sind, aber kein Wasser darin steht. Sonst zieht der trockene Untergrund dem Mörtel das Wasser zu schnell heraus. Bei Epoxid entfällt dieser Schritt, da muss alles trocken sein.
  5. Fugenmörtel anmischen: Erst das Wasser in den sauberen Eimer geben, dann das Pulver einrühren, laut Mischungsverhältnis auf der Packung. Kurz reifen lassen (meist 3–5 Minuten) und noch einmal durchrühren. Nur so viel anmischen, wie du in der angegebenen Verarbeitungszeit schaffst.
  6. Diagonal einarbeiten: Mörtel mit dem Gummischieber auf die Fläche geben und schräg zur Fuge, also diagonal, mit Druck in die Fugen streichen. Mehrmals kreuzweise diagonal arbeiten, bis die Fugen voll und verdichtet sind. Überschüssiges Material ebenfalls diagonal mit der Kante des Schiebers abziehen. Ecken und Anschlussfugen frei lassen.
  7. Anziehen lassen: Warten, bis der Mörtel matt wird und auf Fingerdruck nicht mehr klebt. Je nach Produkt und Raumtemperatur sind das etwa 10–30 Minuten.
  8. Abwaschen mit dem Fugenschwamm: Mit einem gut ausgewrungenen Schwamm oder Schwammbrett diagonal über die Fläche wischen. Den Schwamm häufig in klarem Wasser auswaschen und wenig Wasser verwenden, sonst wäschst du den Mörtel wieder aus der Fuge. Die Fugen sollen leicht unter der Fliesenkante liegen und glatt sein.
  9. Zementschleier entfernen: Nach dem Trocknen bleibt meist ein grauer Schleier auf den Fliesen. Den wischst du zuerst trocken mit einem Baumwolltuch ab. Was bleibt, entfernst du nach frühestens 24 Stunden bzw. nach Herstellerangabe mit Zementschleierentferner. Vorher die Fugen nass machen, damit die Säure nicht in die Fuge zieht. Auf Naturstein keine säurehaltigen Mittel verwenden.
  10. Anschlussfugen mit Silikon schließen: Erst wenn die neuen Fugen trocken sind, ziehst du die Silikonfugen an Wanne, Duschtasse, Boden-Wand-Übergängen und in allen Innenecken neu. Das ist ein eigener Arbeitsschritt mit eigenem Material.

Bei mir hat es sich bewährt, nicht mehr als etwa 1–2 m² am Stück zu verfugen und dann abzuwaschen. So wird der Mörtel nirgends zu hart, bevor du mit dem Schwamm dort ankommst.

Anschlussfugen immer mit Silikon

Überall dort, wo zwei Bauteile aufeinandertreffen, die sich unterschiedlich bewegen, gehört keine Zementfuge hin, sondern eine elastische Silikonfuge: zwischen Wanne oder Duschtasse und Wand, in allen Innenecken, am Übergang Boden zu Wand und rund um Rohrdurchführungen. Fugenmörtel reißt dort zuverlässig. Wie du diese Fugen sauber ziehst, zeige ich in meiner Anleitung Silikonfugen erneuern an Wanne und Dusche.

Wie lange müssen neue Fugen trocknen?

Hier gibt es keine allgemeingültige Zahl, deshalb gleich vorweg: Die Angaben auf deiner Packung sind verbindlich. Sie hängen vom Produkt, der Fugenbreite, der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Als grobe Orientierung:

Fugenmörtel Begehbar (Boden) Dusche wieder nutzen Voll belastbar
Zementär flexibel (CG2 WA) nach ca. 12–24 Std. typischerweise nach ca. 24 Std. nach einigen Tagen bis ca. 1 Woche
Schnellfugenmörtel oft nach ca. 2–4 Std. oft schon nach wenigen Stunden laut Hersteller meist nach ca. 1 Tag
Epoxidharz (RG) nach ca. 24 Std. meist nach ca. 2–3 Tagen chemisch voll ausgehärtet nach ca. 5–7 Tagen

In den ersten Tagen solltest du keine aggressiven Reiniger verwenden und das Bad gut lüften. Unter 10 °C oder bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit verlängern sich alle Zeiten deutlich. Ich gönne frischen Fugen in der Dusche lieber einen Tag mehr, als sie zu früh unter den heißen Strahl zu stellen.

Zeitbedarf: Wie lange dauert das Ganze?

Unterschätzt wird fast immer das Auskratzen. Es macht gut zwei Drittel der Arbeitszeit aus. Realistische Werte für Heimwerker:

  • Fugen auskratzen von Hand: ca. 1–2 Stunden pro m², bei kleinen Mosaikfliesen deutlich mehr.
  • Fugen auskratzen mit Multitool: ca. 30–60 Minuten pro m².
  • Verfugen und Abwaschen: ca. 20–30 Minuten pro m².
  • Zementschleier und Silikonfugen: ein halber bis ganzer Tag extra, plus Trocknungszeit.

Für einen typischen Duschbereich mit 5–8 m² Wandfläche solltest du ein komplettes Wochenende einplanen, inklusive Trocknungszeiten eher drei Tage, bis die Dusche wieder voll nutzbar ist. Wie viel Fläche du tatsächlich hast, rechnest du schnell mit meinem Fliesen-Rechner fürs Bad aus.

Kosten: Fugen selber erneuern oder Fliesenleger?

Der Kostenunterschied ist groß, weil fast nur Arbeitszeit anfällt. Die folgenden Spannen sind Richtwerte, Stand 2026. Regionale Unterschiede und der Zustand der alten Fugen spielen eine große Rolle.

Posten Selber machen Fliesenleger
Fugenmörtel zementär (CG2 WA) ca. 2–5 € pro m² im Preis enthalten
Fugenmörtel Epoxid (RG) ca. 8–20 € pro m² Aufpreis gegenüber zementär
Werkzeug (Kratzer, Schieber, Schwammbrett, Schleierentferner) ca. 30–60 € einmalig, Multitool-Blatt zusätzlich entfällt
Alte Fugen auskratzen eigene Zeit ca. 20–50 € pro m², bei schwierigen Fugen mehr
Neu verfugen eigene Zeit ca. 10–20 € pro m²
Silikonfugen erneuern ca. 10–20 € Material ca. 8–15 € pro laufendem Meter
Anfahrt, Kleinauftrag entfällt Anfahrt oft ca. 30–60 €, Mindestauftrag häufig ab ca. 150–250 €

Unterm Strich: Für eine Dusche mit 6 m² Wandfläche bist du selbst mit etwa 60–120 € dabei, wenn du das Werkzeug neu kaufst. Ein Fliesenleger liegt für Auskratzen, Verfugen und Silikon schnell bei 300–600 €, je nach Region und Aufwand. Die Arbeit selbst zu machen lohnt sich also, wenn du Geduld mitbringst. Steht ohnehin eine größere Renovierung an, hilft dir mein Badsanierung-Kosten-Rechner bei der Einordnung.

Feuchte Stellen? Dann zuerst die Abdichtung prüfen

Hinter den Fliesen in Dusche und Wannenbereich sitzt eine Abdichtung. Die Fuge selbst ist nicht wasserdicht. Findest du beim Auskratzen dunkle, nasse oder muffig riechende Stellen, hohl klingende oder lose Fliesen oder zeigt sich auf der Rückseite der Wand Feuchtigkeit, dann reicht neues Verfugen nicht. In diesem Fall solltest du einen Fachbetrieb die Abdichtung prüfen lassen, bevor ein größerer Wasserschaden entsteht.

Fugen ausbessern statt komplett erneuern

Nicht immer muss gleich die ganze Wand neu verfugt werden. Sind nur einzelne Stellen ausgebrochen oder gerissen, kannst du gezielt Fugen ausbessern: Die betroffene Fuge auf der gesamten Länge zwischen zwei Kreuzungspunkten auskratzen, aussaugen, vornässen und mit einer kleinen Menge Mörtel neu verfugen. So wirkt die Reparatur weniger fleckig als ein einzelner Punkt.

Der Haken ist die Farbe. Neuer Mörtel ist fast immer heller und sauberer als die alte Fuge, selbst wenn du denselben Farbton kaufst. Bei sichtbaren Flächen wird die Ausbesserung deshalb oft zum Flickenteppich. Dann lieber die ganze Wand oder zumindest eine klar abgegrenzte Fläche erneuern.

Fugenfarbe oder Fugenstift als Zwischenlösung

Wenn deine Fugen fest und intakt, aber unschön verfärbt sind, kann eine Fugenfarbe oder ein Fugenstift eine schnelle Kosmetik sein. Das funktioniert allerdings nur auf sauberen, trockenen und festen Fugen. Bröselige oder rissige Fugen deckt die Farbe nur kurz ab, das Problem darunter bleibt. In der Dusche hält so ein Anstrich erfahrungsgemäß auch deutlich kürzer als an der trockenen Wand.

Wer die Nase von Fugen ganz voll hat, findet übrigens in meinem Beitrag Bad ohne Fliesen fugenlose Alternativen für Wand und Dusche.

Mein Fazit

Fliesenfugen erneuern ist kein Hexenwerk, aber eine Fleißarbeit. Der Erfolg entscheidet sich beim gründlichen Auskratzen: mindestens zwei Drittel der Fugentiefe, saubere Flanken, kein Staub. Mit einem flexiblen Fugenmörtel CG2 WA, diagonalem Einarbeiten und sparsamem Abwaschen bekommst du ein Ergebnis, das viele Jahre hält. Für bodengleiche Duschen lohnt sich Epoxid. Und denk daran: Ecken und Anschlüsse gehören mit Silikon geschlossen, nicht mit Fugenmörtel.

Häufige Fragen

Kann man Fliesenfugen einfach überfugen?

Nein. Eine dünne Schicht neuer Fugenmörtel haftet kaum auf der alten Fuge und platzt schnell wieder ab. Die alte Fuge muss mindestens zu zwei Dritteln ihrer Tiefe, in der Praxis meist 3–5 mm, ausgekratzt werden, damit der neue Mörtel hält.

Womit kratzt man alte Fugen am besten aus?

Für kleine Flächen reicht ein Fugenkratzer mit Hartmetallklinge. Bei größeren Flächen spart ein Multitool mit Fugenblatt viel Zeit. Dabei vorsichtig mit niedriger Drehzahl arbeiten, denn ein abrutschendes Blatt zerkratzt die Fliesenglasur.

Welcher Fugenmörtel ist für die Dusche am besten?

Für die meisten Duschen eignet sich ein flexibler zementärer Fugenmörtel der Klasse CG2 WA nach DIN EN 13888. Er nimmt wenig Wasser auf und ist abriebfest. In bodengleichen Duschen und stark beanspruchten Bereichen ist Epoxidharz-Fugenmörtel (RG) noch widerstandsfähiger.

Wie lange muss neuer Fugenmörtel trocknen, bevor man duschen kann?

Bei flexiblem zementärem Fugenmörtel typischerweise etwa 24 Stunden, bei Schnellfugenmörtel oft nur wenige Stunden. Epoxid braucht meist zwei bis drei Tage. Verbindlich sind immer die Angaben des Herstellers auf der Verpackung.

Was kostet es, Fliesenfugen erneuern zu lassen?

Ein Fliesenleger verlangt für Auskratzen und Neuverfugen etwa 30–70 Euro pro Quadratmeter, dazu kommen Anfahrt und oft ein Mindestauftrag. Selbst gemacht liegen die Materialkosten bei etwa 2–5 Euro pro Quadratmeter für zementären Mörtel plus einmalig 30–60 Euro für Werkzeug.

Wie bekomme ich den Zementschleier von den Fliesen?

Leichten Schleier wischst du nach dem Trocknen mit einem trockenen Baumwolltuch ab. Hartnäckige Reste entfernst du frühestens nach 24 Stunden mit einem Zementschleierentferner, nachdem du die Fugen vorgenässt hast. Auf Naturstein keine säurehaltigen Mittel verwenden.

Gehört in die Ecken Fugenmörtel oder Silikon?

In Innenecken, an Wanne und Duschtasse sowie am Übergang von Boden zu Wand gehört immer Silikon. Dort bewegen sich die Bauteile unterschiedlich, und Fugenmörtel würde reißen.


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