Mikrozement im Bad sieht auf Instagram aus wie ein Designhotel: keine Fugen, weiche Wolkenstruktur, alles aus einem Guss. Damit das auch nach fünf Jahren noch so aussieht, kommt es aber weniger auf die Marke an als auf drei unspektakuläre Dinge: einen tragfähigen Untergrund, eine echte Abdichtung in der Dusche und eine Versiegelung, die regelmäßig gepflegt wird.
Kurz & knapp
Mikrozement ist eine zementbasierte, kunststoffvergütete Spachtelmasse, die in 2–3 mm Gesamtstärke auf Wand und Boden aufgetragen wird, auch direkt auf alte Fliesen. Ein Fachbetrieb verlangt Stand 2026 meist ca. 100–200 € pro m² inklusive Material, DIY-Sets kosten etwa 20–45 € pro m². In der Dusche ist eine Abdichtung nach DIN 18534 darunter Pflicht, Mikrozement selbst dichtet nicht ab.
Die meisten Infos zu fugenlosen Bädern stammen von Herstellern oder Verarbeitern, die verkaufen wollen. Hier bekommst du die ehrliche Version: was Mikrozement kann, wo er Probleme macht und was er wirklich kostet. Wenn du generell überlegst, welche Alternativen es zu Fliesen gibt, lies auch meinen Überblick Bad ohne Fliesen: Materialien im Vergleich.
Was ist Mikrozement eigentlich?
Mikrozement (oft auch Microcement, Microbeton oder Betonspachtel genannt) ist eine zementbasierte Spachtelmasse aus Zement, sehr feinen mineralischen Zuschlägen, Farbpigmenten und Polymeren, also Kunststoffzusätzen. Die Polymere sind der eigentliche Trick: Sie machen das Material haftfester und etwas flexibler, sodass es sich in hauchdünnen Schichten verarbeiten lässt.
Aufgetragen wird Mikrozement mit der Glättkelle in mehreren Lagen. Der komplette Aufbau aus Grundierung, Basisschichten, Finish-Schichten und Versiegelung ist am Ende nur etwa 2–3 mm dick. Genau das macht ihn für Renovierungen so interessant: Türen müssen meist nicht gekürzt werden, Steckdosen und Armaturen bleiben, wo sie sind, und die Aufbauhöhe am Boden ist kaum spürbar.
Wichtig: Mikrozement ist von Natur aus offenporig und saugfähig. Erst die mehrschichtige Versiegelung, im Bad meist eine wasserbasierte 2K-Polyurethan-Versiegelung, macht die Oberfläche wasserabweisend und pflegeleicht. Sie ist kein Extra, sondern Teil des Systems.
Mikrozement auf Fliesen: Geht das ohne Abriss?
Ja, und das ist für viele der Hauptgrund, sich überhaupt mit Mikrozement zu beschäftigen. Alte Fliesen abschlagen bedeutet Lärm, Schutt, Entsorgungskosten und oft böse Überraschungen im Untergrund. Mikrozement kann direkt auf vorhandene Fliesen aufgebracht werden, wenn ein paar Bedingungen erfüllt sind:
- Tragfähig: Keine Fliese darf hohl klingen oder wackeln. Klopf die Fläche systematisch ab, zum Beispiel mit dem Griff eines Schraubendrehers. Hohlliegende Fliesen werden entfernt und die Stelle eben ausgeglichen.
- Sauber und fettfrei: Kalk, Seifenreste und Silikonrückstände müssen komplett runter. Glasierte Fliesen werden zusätzlich angeschliffen oder mit einem Spezialreiniger angeraut, damit die Haftbrücke greift.
- Fugen gespachtelt: Die Fliesenfugen werden vorher bündig zugespachtelt. Sonst zeichnen sie sich später als Raster durch den dünnen Belag ab, im schlimmsten Fall als Haarrisse.
- Haftbrücke: Auf glatten Fliesen braucht es eine spezielle Grundierung oder Haftbrücke, meist mit Quarzsand, die dem Mikrozement Halt gibt.
- Armierungsgewebe: Ein Glasfasergewebe, das in die erste Basisschicht eingebettet wird, verteilt Spannungen und reduziert das Rissrisiko deutlich. Auf Fliesen, an Plattenstößen und in Ecken ist es aus meiner Sicht nicht verhandelbar.
Was nicht geht: Mikrozement über Silikon, über feuchte oder schimmelige Stellen oder über einen Wasserschaden. Dort muss erst die Ursache weg. Und die alte Fliese ist danach keine Abdichtung, auf die du dich verlassen kannst, dazu mehr im Abschnitt zur Dusche.

Mikrozement im Bad: Vor- und Nachteile
Richtig gemacht ist Mikrozement eine der schönsten Oberflächen fürs Bad. Die Nachteile werden in Werbetexten aber gern kleingeredet, deshalb hier beides nebeneinander:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Fugenlos: keine Fugen, in denen sich Schimmel und Schmutz festsetzen | Kosten: pro m² meist teurer als einfache Fliesen, vor allem bei kleinen Flächen |
| Pflegeleicht: glatte, versiegelte Fläche, einfach abzuwischen | Verarbeitung anspruchsvoll: das Ergebnis hängt fast komplett vom Verarbeiter ab |
| Optik: warme, lebendige Wolkenstruktur, jede Fläche ein Unikat | Haarrisse möglich: bei Bewegungen im Untergrund, an Ecken und Übergängen |
| Geringe Aufbauhöhe: 2–3 mm, ideal für Renovierung auf Fliesen | Versiegelung braucht Pflege: muss je nach Belastung alle paar Jahre aufgefrischt werden |
| Wenig Schmutz: kein Fliesenabriss nötig, kürzere Bauzeit als Komplettsanierung | Rutschhemmung nur mit passender Versiegelung: glatt versiegelt kann der Boden nass rutschig sein |
| Wand, Boden, Waschtisch, Wanne: alles in einem Material möglich | Kratzer und Flecken: empfindlicher als glasierte Fliese, besonders am Boden |
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Mikrozement ist ein Naturmaterial-Look. Wolken, leichte Farbschwankungen und Kellenspuren gehören dazu. Wer eine absolut gleichmäßige, perfekt einfarbige Fläche erwartet, wird enttäuscht sein, egal wie gut der Handwerker ist.
Was kostet Mikrozement im Bad?
Die Preisspannen gehen weit auseinander, weil Mikrozement fast reine Handarbeit ist und der Aufwand stark von Fläche, Untergrund und Details abhängt. Realistische Richtwerte Stand 2026:
- Fachbetrieb komplett: ca. 100–200 € pro m² inklusive Material, Grundierung, Gewebe und Versiegelung. Kleine Flächen, viele Ecken, Nischen oder ein Waschtisch aus Mikrozement treiben den Preis Richtung oberes Ende oder darüber.
- Mindestauftrag: Viele Betriebe rechnen kleine Bäder pauschal ab, weil An- und Abfahrt für mehrere Arbeitstage anfallen. Unter 1.500–2.500 € wirst du selten einen Profi bekommen.
- Abdichtung in der Dusche: zusätzlich ca. 30–60 € pro m², falls sie nicht im Paketpreis enthalten ist.
- DIY-Sets: ca. 20–45 € pro m² für Grundierung, Mikrozement, Gewebe und Versiegelung. Dazu kommen einmalig etwa 100–250 € für Edelstahl-Glättkellen, Rührwerk, Schleifmaterial und Rollen.
Ein Rechenbeispiel: Ein kleines Bad mit 5 m² Boden und rund 20 m² Wandfläche kommt beim Profi grob auf 2.500–5.000 € für den Mikrozement. Sanitär, Elektro und eventuell neue Armaturen sind da noch nicht drin.
Ist ein fugenloses Bad teurer als Fliesen?
Pro Quadratmeter meistens ja. Aber der direkte Vergleich hinkt, weil Mikrozement auf den alten Fliesen den Abriss spart. Hier eine Gegenüberstellung mit typischen Spannen:
| Posten | Mikrozement (Fachbetrieb) | Neue Fliesen (Fliesenleger) |
|---|---|---|
| Material pro m² | ca. 30–60 € | ca. 20–80 € (Standard-Feinsteinzeug), Großformate deutlich mehr |
| Arbeit pro m² | ca. 70–140 € | ca. 40–90 € inkl. Verfugen |
| Abriss alter Fliesen | meist nicht nötig | ca. 20–40 € pro m² plus Entsorgung |
| Abdichtung Dusche | nötig | nötig |
| Bauzeit (kleines Bad) | ca. 5–10 Arbeitstage inkl. Trocknung | ca. 5–10 Arbeitstage inkl. Abriss |
| Folgekosten | Nachversiegelung alle paar Jahre | gelegentlich Fugen und Silikon erneuern |
| Summe grob pro m² | ca. 100–200 € | ca. 80–200 € inkl. Abriss |
Unterm Strich liegen beide Lösungen oft näher beieinander, als man denkt, sobald Abriss und Entsorgung mitgerechnet werden. Wenn du die gesamte Sanierung durchkalkulieren willst, also auch Sanitär, Möbel und Elektrik, hilft dir mein Badsanierung-Kosten-Rechner.
Mikrozement in der Dusche: Abdichtung ist Pflicht
Das ist der wichtigste Abschnitt in diesem Beitrag, deshalb ganz deutlich: Mikrozement ist keine Abdichtung. Auch die Versiegelung ist keine Abdichtung im Sinne der Norm. Sie macht die Oberfläche wasserabweisend, aber sie kann bei einem Haarriss oder einer beschädigten Stelle nicht verhindern, dass Wasser in den Untergrund wandert.
Für alle Bereiche, die regelmäßig nass werden, also Duschbereich, Wand über der Badewanne und Boden einer bodengleichen Dusche, gilt in Deutschland die DIN 18534 (Abdichtung von Innenräumen). Sie teilt Flächen in Wassereinwirkungsklassen ein. Im privaten Bad fallen Duschwände und die Wand über der Wanne in der Regel in die Klasse W1-I, bei bodengleichen Duschen legt der Fachbetrieb die passende Klasse und das Abdichtungssystem fest.
Der Aufbau sieht dann so aus: Untergrund, darauf eine Verbundabdichtung (zum Beispiel flüssig aufgetragene Dichtschlämme oder Flüssigkunststoff) mit Dichtbändern in allen Ecken und Dichtmanschetten an Rohrdurchführungen und Ablauf, erst darauf der Mikrozement mit Gewebe und Versiegelung. Einige Hersteller bieten Mikrozement-Systeme mit eigener, geprüfter Abdichtungsschicht an. Dann sollte der Verarbeiter dir den Nachweis für genau diese Kombination zeigen können.
Achtung
Lass dir im Angebot schriftlich bestätigen, dass im Duschbereich eine Abdichtung nach DIN 18534 unter dem Mikrozement ausgeführt wird, mit welchem Produkt und in welchen Bereichen. Ein Angebot, in dem nur „Versiegelung“ steht, ist für die Dusche nicht ausreichend. Ein Wasserschaden hinter der Wand kostet ein Vielfaches der gesparten Abdichtung.
Wenn du gerade ohnehin umbaust, zum Beispiel die alte Wanne gegen eine bodengleiche Dusche tauschst, plane die Abdichtung von Anfang an mit ein. Wie so ein Umbau abläuft, beschreibe ich in Badewanne raus, Dusche rein. Für den Duschboden selbst ist außerdem eine Versiegelung mit rutschhemmendem Zusatz sinnvoll. Frag gezielt nach einer Prüfung für den nassbelasteten Barfußbereich nach DIN 51097, für Duschen ist dort Bewertungsgruppe B üblich.
Welcher Mikrozement ist der beste?
Die ehrliche Antwort: Es gibt nicht den einen besten Mikrozement. Viel wichtiger als die Marke ist ein stimmiger Systemaufbau, bei dem alle Komponenten vom selben Hersteller stammen und aufeinander abgestimmt sind. Diese Punkte solltest du vergleichen:
- 1K oder 2K: Beim 1K-Mikrozement ist der Kunststoffanteil schon im Pulver enthalten, angemischt wird nur mit Wasser. Beim 2K-System kommt ein flüssiges Polymer als zweite Komponente dazu. 2K-Systeme gelten als haftfester und etwas flexibler und werden im Nassbereich häufig bevorzugt, verlangen aber exaktes Mischen. Daneben gibt es gebrauchsfertige Pasten, die besonders für Einsteiger gedacht sind.
- Grundierung und Haftbrücke: Für saugende Untergründe (Putz, Gipskarton) und für glatte Fliesen braucht es unterschiedliche Grundierungen. Ein gutes System hat für beides eine Lösung.
- Armierungsgewebe: Glasfasergewebe mit passender Maschenweite, idealerweise vom Hersteller empfohlen.
- Basis- und Finish-Körnung: Gröbere Basis zum Ausgleichen, feine Finish-Körnung für die Optik. Je feiner das Finish, desto glatter und desto empfindlicher für Kellenspuren.
- Versiegelung: Im Bad eine 2K-Polyurethan-Versiegelung, matt oder seidenmatt, in 2–3 Schichten. Wachs oder 1K-Versiegelungen sind für Wohnräume okay, für Dusche und Waschtisch zu schwach.
- Technische Unterlagen: Seriöse Hersteller haben Datenblätter mit Trocknungszeiten, Verbrauch und Freigabe für Nassbereiche. Fehlen die, Finger weg.
Mein Rat: Frag den Verarbeiter, mit welchem System er seit Jahren arbeitet, und lass dir Referenzbäder zeigen, die schon zwei, drei Jahre alt sind. Erfahrung schlägt jedes Premiumprodukt.
So läuft die Verarbeitung beim Profi ab
Mit diesem typischen Ablauf kannst du prüfen, ob ein Angebot vollständig ist. Die Trocknungszeiten hängen von System, Temperatur und Luftfeuchte ab und sind Richtwerte.
- Untergrund prüfen: Fliesen abklopfen, Feuchte messen, Hohlstellen entfernen, alles reinigen und entfetten. Silikon raus, Fugen bündig spachteln.
- Abdichten (Nassbereich): In Dusche und an der Wanne Verbundabdichtung nach DIN 18534 mit Dichtbändern und Manschetten aufbringen und durchtrocknen lassen.
- Grundieren: Passende Grundierung oder Haftbrücke auftragen, je nach Produkt meist einige Stunden trocknen lassen.
- Armierungsgewebe einbetten: Glasfasergewebe in die erste Basisschicht einlegen, Bahnen überlappend, Ecken besonders sorgfältig.
- Zwei Schichten Basis: Zwei Lagen gröberer Basis-Mikrozement zum Ausgleichen. Zwischen den Schichten je nach System etwa 4–12 Stunden warten und leicht zwischenschleifen.
- Zwei Schichten Finish: Zwei dünne Lagen feiner Finish-Mikrozement mit der Edelstahlkelle. Hier entsteht die Optik mit ihren Wolken und Strukturen.
- Schleifen: Nach dem Durchtrocknen fein schleifen, gründlich entstauben. Durch das Schleifen wird die Oberfläche gleichmäßig und bekommt ihren seidigen Griff.
- 2–3× versiegeln: Zwei bis drei Schichten 2K-PU-Versiegelung, am Duschboden mit rutschhemmendem Zusatz. Zwischen den Schichten meist einige Stunden Wartezeit.
- Aushärten lassen: Vorsichtig begehbar oft nach etwa 24 Stunden, voll belastbar und für Wasser freigegeben meist erst nach 5–7 Tagen. Bis dahin nicht duschen und nichts darüberschieben.
Alles in allem ist ein kleines Bad also rund eine bis zwei Wochen nicht nutzbar. Plan das ein, gerade wenn es dein einziges Bad ist.
Mikrozement im Bad: Erfahrungen und typische Probleme
Ich habe mir viele Diskussionen in Bau- und Heimwerkerforen angesehen. Es gibt zahlreiche zufriedene Stimmen, aber die Probleme ähneln sich auffällig, und fast alle gehen auf Verarbeitung oder Versiegelung zurück:
- Haarrisse: am häufigsten über alten Fliesenfugen, an Gipskarton-Stößen, in Innenecken und an Übergängen zwischen Wand und Boden. Ursache ist meist fehlendes oder schlecht eingebettetes Gewebe oder ein Untergrund, der arbeitet.
- Dunkle Flecken und Wasserränder: entstehen, wenn die Versiegelung zu dünn ist, beim Schleifen durchgeschliffen wurde oder ungeeignet ist (etwa Wachs im Spritzwasserbereich). Dann zieht Wasser in den Zement und es bleiben dunkle Zonen.
- Fett- und Kosmetikflecken: vor allem am Waschtisch. Öle, Haarfärbemittel oder Make-up hinterlassen auf schwach versiegelten Flächen Spuren, die kaum wieder rausgehen.
- Ansätze und unruhige Optik: sichtbare Kanten zwischen Arbeitsabschnitten, Farbunterschiede zwischen Chargen oder zu starke Wolken. Teilweise ist das gewollt, teilweise Ergebnis von Unerfahrenheit.
- Kalkflecken: besonders auf dunklen Farbtönen sichtbar. Da saure Reiniger tabu sind, hilft nur konsequentes Abziehen.
- Kratzer am Boden: Sandkörner unter Schuhen, Hockerbeine oder ein umgefallener Föhn hinterlassen eher Spuren als auf Feinsteinzeug.
Mein Eindruck: Wer einen Betrieb mit nachweislicher Mikrozement-Erfahrung beauftragt und die Pflegehinweise ernst nimmt, ist in aller Regel zufrieden. Die Frust-Geschichten stammen meist von Erstversuchen in Eigenleistung.
Pflege: So bleibt die Oberfläche schön
Mikrozement ist pflegeleicht, aber nicht pflegefrei. Die Regeln sind einfach, du musst sie nur konsequent einhalten:
- pH-neutrale Reiniger: Für den Alltag reicht warmes Wasser mit etwas pH-neutralem Reiniger oder einem Pflegemittel des Herstellers.
- Keine Säure: Essig, Zitronensäure, Kalklöser und WC-Reiniger greifen Versiegelung und Zement an. Das gilt auch für „sanfte“ Hausmittel.
- Keine Scheuermittel: Scheuermilch, Schmutzradierer und harte Schwämme machen die Versiegelung matt und dünn. Nimm weiche Mikrofasertücher.
- Abziehen nach dem Duschen: Mit dem Wasserabzieher verhinderst du Kalkflecken, ohne dass du später zum Kalkreiniger greifen musst.
- Flecken sofort weg: Öle, Farbe und Kosmetik direkt abwischen, bevor sie einziehen.
- Nachversiegeln: Je nach Beanspruchung alle 2–5 Jahre auffrischen, am Duschboden eher früher. Wird die Fläche stumpf oder Wasser perlt nicht mehr ab, ist es Zeit. Meist reicht leichtes Anschleifen und eine neue Schicht, bei starkem Verschleiß kommt der Profi.
Mikrozement selber machen: ja oder nein?
Die DIY-Sets sind verlockend günstig, und die Videos sehen einfach aus. Meine ehrliche Einschätzung:
DIY ehrlich bewertet
Eher ja: eine einzelne Wand außerhalb des Spritzwasserbereichs, eine Ablage, ein Gäste-WC, eine Fensterbank. Kleine Flächen, auf denen ein Fehler nicht teuer wird. Eher nein: Duschbereich, bodengleiche Dusche, Badboden und das komplette Bad. Hier kommen Abdichtung, Rutschhemmung, Ecken, Übergänge und große Flächen zusammen, und genau dort entstehen die typischen Risse und Flecken. Wenn du es trotzdem selbst machst: Übe vorher auf einer Probeplatte, arbeite strikt nach Datenblatt und lass die Abdichtung in der Dusche vom Fachbetrieb machen.
Fugenloses Bad: Mikrozement und die Alternativen
Mikrozement ist nicht das einzige Material für ein fugenloses oder fugenarmes Bad. Je nach Optik, Budget und Belastung passt eine Alternative vielleicht besser:
| Material | Optik | Kosten grob pro m² (Profi) | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|---|
| Mikrozement | Beton- bis Steinoptik, wolkig | ca. 100–200 € | dünn, auf Fliesen möglich, Wand und Boden | anspruchsvoll, Pflege der Versiegelung |
| Kalkputz / Tadelakt | weich, glänzend, mediterran | ca. 150–300 € | diffusionsoffen, natürliches Material | sehr aufwendig, empfindlich gegen Säure, wenige Fachleute |
| Epoxid- oder PU-Beschichtung | einfarbig, glatt | ca. 60–150 € | robust, sehr dicht, gut für Böden | wirkt technischer, kaum für Wände genutzt |
| Großformatige Platten | Stein, Beton, Marmor | ca. 120–250 € | kaum Fugen, sehr robust, pflegeleicht | schwer, Verlegung nur mit Profi, Zuschnitt aufwendig |
| Wandpaneele | Stein-, Holz- oder Uni-Dekor | ca. 50–150 € | schnell, DIY-tauglich, auf Fliesen montierbar | nur Wand, Fugen an Stößen, wirkt weniger hochwertig |
Was statt Fliesen im Bad?
Wenn du einfach nur weg von den alten Fliesen willst und kein großes Budget hast, sind Wandpaneele die schnellste Lösung, ganz ohne Abriss. Willst du die Fliesen nur optisch auffrischen, kann auch Fliesen streichen eine Übergangslösung sein, allerdings mit begrenzter Haltbarkeit im Spritzwasserbereich. Für eine hochwertige, fast fugenlose Optik mit maximaler Robustheit sind großformatige Feinsteinzeugplatten meine erste Empfehlung. Mikrozement spielt seine Stärken aus, wenn du die warme, handwerkliche Optik willst und Wand, Boden und Waschtisch aus einem Guss möchtest.
Gerade in Kombination mit einer freistehenden Wanne wirkt Mikrozement übrigens besonders ruhig und großzügig. Was du bei Platz, Ablauf und Bodenaufbau beachten musst, liest du in meinem Ratgeber Freistehende Badewanne planen. Mehr Ideen für den Wohlfühlfaktor findest du in meinem Beitrag zum Luxus-Badezimmer.
Mein Fazit
Mikrozement im Bad ist eine großartige Oberfläche, wenn du die warme, fugenlose Optik liebst und bereit bist, dafür etwas mehr Geld und etwas mehr Pflege zu investieren. Entscheidend sind der richtige Verarbeiter, eine echte Abdichtung nach DIN 18534 in der Dusche und eine hochwertige 2K-Versiegelung. Die Marke des Materials ist zweitrangig. Für die Dusche und das komplette Bad würde ich immer einen erfahrenen Fachbetrieb beauftragen und mir Referenzbäder zeigen lassen. Bevor du Angebote einholst, verschaff dir einen realistischen Überblick über das Gesamtbudget.
Häufige Fragen
Kann man Mikrozement direkt auf Fliesen auftragen?
Ja, wenn die Fliesen fest sitzen, sauber und fettfrei sind. Die Fugen werden vorher bündig gespachtelt, auf die Fliesen kommt eine Haftbrücke und in die erste Basisschicht ein Armierungsgewebe. Hohlliegende Fliesen müssen vorher entfernt werden.
Was kostet Mikrozement im Bad pro Quadratmeter?
Ein Fachbetrieb verlangt Stand 2026 meist ca. 100–200 Euro pro Quadratmeter inklusive Material und Versiegelung, bei kleinen Flächen und vielen Details auch mehr. DIY-Sets kosten etwa 20–45 Euro pro Quadratmeter plus Werkzeug.
Ist ein fugenloses Bad teurer als Fliesen?
Pro Quadratmeter ist Mikrozement meist etwas teurer als einfache Fliesen. Weil er auf alte Fliesen aufgetragen werden kann und Abriss sowie Entsorgung entfallen, liegen die Gesamtkosten aber oft in einer ähnlichen Größenordnung.
Braucht Mikrozement in der Dusche eine Abdichtung?
Ja. Mikrozement und Versiegelung sind keine Abdichtung. Im Duschbereich und an der Wand über der Wanne muss darunter eine Verbundabdichtung nach DIN 18534 mit Dichtbändern und Manschetten liegen.
Welcher Mikrozement ist der beste fürs Bad?
Wichtiger als die Marke ist ein abgestimmtes System aus Grundierung, Armierungsgewebe, Basis- und Finish-Schichten und einer 2K-Polyurethan-Versiegelung. 2K-Mikrozement gilt als haftfester und flexibler und wird im Nassbereich häufig bevorzugt.
Welches Material eignet sich für ein fugenloses Bad?
Infrage kommen Mikrozement, Kalkputz wie Tadelakt, Epoxid- oder PU-Beschichtungen für Böden, großformatige Feinsteinzeugplatten mit sehr wenigen Fugen und Wandpaneele. Welches passt, hängt von Optik, Budget und Belastung ab.
Wie reinigt man Mikrozement im Bad?
Mit warmem Wasser und pH-neutralem Reiniger und einem weichen Mikrofasertuch. Essig, Zitronensäure, Kalkreiniger und Scheuermittel sind tabu. Je nach Beanspruchung sollte die Versiegelung alle 2–5 Jahre aufgefrischt werden.

